Sonntag, 18. August 2019

Helen Dahm – Leben für die Kunst.

Die Thurgauerin Helen Dahm (1878-1968) ist die allererste Frau, der die Stadt Zürich den Kunstpreis verleiht. Klingt nach Erfolgsgeschichte – ist es aber nicht. Denn Helen Dahm ergeht es wie vielen Künstlerinnen ihrer Zeit: Als Frau muss sie bös unten durch, wird ein Leben lang als Künstlerin kaum wahrgenommen und schon gar nicht anerkannt. Erst im hohen Alter erfährt sie Genugtuung mit diesem Kunstpreis, den man ihr 1954 verleiht – da ist sie schon 76 Jahre alt.

Helen Dahm (1878-1968). Föhntag in Oetwil im Frühling, 1930. Privatbesitz.


Geboren wird sie 1878 in Engelshofen, einem Ortsteil des heutigen Kreuzlingen. Die Schule besucht sie in Konstanz, Zeichenunterricht erhält sie bei einem Landschaftsmaler. Ab 1897 besucht sie Kurse an der Kunstgewerbeschule in Zürich.


Helen Dahm (1878-1968). Halbakt mit Magnolie, ohne Datum. Kunstsammlung Stadt Zürich.


1906 zieht sie nach München und bildet sich in der Kunst des Holz- und Linoldrucks weiter. In der bayrischen Metropole kommt sie auch mit den Gründern des «Blauen Reiters» in Kontakt (Franz Marc, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter). Dort findet sie zum Expressionismus. 


Helen Dahm (1878-1968). Maria Magdalena in der Grossstadt, ohne Datum. Kunstsammlung Stadt Zürich.


Zeitlebens ist sie auf der Suche nach einem eigenen Stil, reist zur Meditation nach Indien und malt danach auch biblische Szenen. Im hohen Alter – sie wird 90 Jahre alt – wendet sie sich auch noch der Abstraktion zu.

Mehr:
https://www.artfritz.ch/kuenstler/dahm.html

Ausstellung «Helen Dahm – Ein Kuss der 
ganzen Welt». Kunstmuseum Thurgau, Kartause Ittingen. 
Bis 25. August 2019.


Samstag, 3. August 2019

Ein eigenes Stück Turner besitzen!

Was für eine schöne Vorstellung: Du schaust dir im Museum ein Werk des grossen englischen Romantikers William Turner (1775-1851) an und weisst: ein bisschen gehört das Bild  auch mir!

Wie soll das gehen? Ganz einfach: Man beteiligt sich am Kauf eines Werkes, das das KUNSTMUSEUM LUZERN erwerben will und auf der Suche nach Sponsoren ist. Es handelt sich um ein Aquarell mit Rigi und Vierwaldstättersee und soll einen sechsstelligen Betrag kosten. Wenn ich nun einen (wohl eher dreistelligen) Betrag einzahle und das viele andere auch tun, dann kommt der Kauf zustande. Und eines Tages werde ich vor dem Turner stehen und wissen: Ein bisschen gehört der auch mir! Wer das auch möchte, hier die Kontaktadresse: turner@kunstmuseumluzern.ch


William Turner (1775-1851). Rigi, Vierwaldstättersee, Sonnenuntergang, 1842-43. Zum Verkauf.


William Turner (1775-1851). Luzern mit Pilatus, 1841-44. Tate London.


Was ein richtiger Turner-Fan ist, darf die Ausstellung im Kunstmuseum Luzern TURNER, DAS MEER UND DIE ALPEN auf keinen Fall verpassen. Es ist eine wohl einmalige Gelegenheit, den grossen Engländer in der Schweiz zu erfahren – sonst sieht man ihn nur in London in dieser Fülle. Die Show umfasst mehr als 100 Werke, darunter 30 Aquarelle mit Abbildungen der Zentralschweiz. Aber auch Werke von anderen Schweizer Städten und dazu mehrere HIGHLIGHTS von Turners Lieblingsthema Meer und Schiffe. So zum Beispiel sein erstes ausgestelltes Ölgemälde aus dem Jahre 1796 («Fishermen at Sea») oder die berühmte Seebestattung. Die Ausstellung läuft noch bis 13. Oktober 2019.

Mehr über die Ausstellung gibts hier zu lesen: 

https://www.artfritz.ch/AUSSTELLUNGEN/turner_kunstmuseum_Luzern_2019.html



William Turner (1775-1851). Fishermann at Sea, exhibited 1796. Tate London.



William Turner (1775-1851). Peace – Burial at Sea, exhibited 1842. Tate London.



William Turner (1775-1851). Die blaue Rigi, Sonnenaufgang, 1842. Tate London.


Sonntag, 21. Juli 2019

Grosse Kunst in Dresden

Woran denkt man beim Stichwort Dresden zuerst? An die Semperoper, klar. Die kennt jeder. Aber da gibt es mehr. Viel mehr. Hier ein Überblick:

https://www.artfritz.ch/museen_dresden_ueberblick.html



Wer sind eigentlich diese zwei Engel, die es millionenfach auf Schokoladedosen und Postkarten zu sehen gibt? Von wem stammen sie, und wie kamen die nach Dresden...? 

RAFFAEL (1483-1520) malte das Bild 1513 für die Klosterkirche San Sisto in Piacenza – auf Bestellung von Papst Julius II. Mehr als 200 Jahre lang gehörte es den Benediktinern und Kirchgängern des heiligen Sixtus. Bis Sachsens Kürfürst Friedrich August II – ein leidenschaftlicher Kunstsammler – einen Hinweis bekam, dass die Mönche von San Sisto dringend Geld zur Restaurierung ihrer Kirche brauchten. Sie wären deshalb bereit, ihre Raffael-Madonna zu verkaufen. Zwei Jahre lang feilschte der sächsische Kunstfan mit den Mönchen. 1754 bekam er das Bild, für die gewaltige Summe von 25'000 Scudi. Seit 1774 kann man es als Top-Highlight in Dresden bewundern – und das Kloster San Sisto muss sich mit einer Kopie begnügen.


Raffael (1483-1520). Sixtinische Madonna, 1513-14. 
Gemäldegalerie Dresden.

Wer sich mehr für MODERNE KUNST interessiert, 
auf den/die wartet in Dresden das ALBERTINUM. 

https://www.artfritz.ch/MUSEEN/dresden_albertinum.html

Da gibt es eine grossartige Skulpturensammlung und die Gemäldegalerie Neue Meister. Und auch hier ein Werk, das man eher nicht in Dresden erwarten würde:

«La petite danseuse de quatorze ans» von EDGAR DEGAS (1834-1917). Seine berühmteste Skulptur. Das Original ist eine bemalte Wachsfigur mit echten Haaren und einem Ballettkleid aus Tüll. Das Pariser Publikum bekam sie nur einmal zu sehen: 1881 auf der Ausstellung der Impressionisten. Bei den Kritikern gab es Verrisse, die Presse schimpfte «Skandal» und der Künstler zeigte sie bis zu seinem Tod nicht mehr. Erst in seinem Nachlass kam sie wieder zum Vorschein. Von 1921 bis 1931 wurden dann davon 29 Bronzeabgüsse erstellt. Einer davon strahlt in Dresden.


Edgar Degas (1834-1917). Vierzehnjährige Tänzerin, 1875-80. 
Bronze, Tüll. Albertinum Dresden.

Samstag, 6. Juli 2019

Vorfreude auf die Merzbacher-Sammlung!

Zur Eröffnung des Erweiterungsbaues des Kunsthauses Zürich – etwa Sommer 2021 – sollen fünfundsechzig Werke aus der Merzbacher Sammlung präsentiert werden. Diese werden dem Kunsthaus für zwanzig Jahre ausgeliehen.


Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938). Einradfahrer, 1911. 
Merzbacher Stiftung.


Welche Werke das sind, ist einem Mann bereits bekannt: Kunsthaus-Direktor Christoph Becker. Der Vertrag mit Werner Merzbacher sei bereits unterschrieben, erklärte er am 2. Juli 2019 anlässlich eines Gesprächs mit dem Sammler im Vortragssaal des Kunsthauses Zürich. Man darf gespannt sein, welche Werke das sein werden.


Wassily Kandinsky (1866-1944). Lanzenreiter in Landschaft, 1908. 
Merzbacher Kunststiftung.

Als Einstimmung auf die Merzbacher Sammlung hier eine Vorstellung des Sammlers.
Und eine Rückblende auf die Ausstellung «Fest der Farbe» im Kunsthaus Zürich von 2006.

Mehr: https://www.artfritz.ch/AUSSTELLUNGEN/ZH_KH_merzbacher_2006.html

 
Werner Merzbacher mit Tochter Karin.



Amedeo Modigliani (1884-1920). Jeanne Hébuterne, sitzend, 1918. 
Merzbacher Kunststiftung.

Samstag, 15. Juni 2019

«Miriam Cahn – ich als Mensch».

Ausstellung im Kunstmuseum Bern vom 2.2. bis 16.6.19.

Für Kinder nicht geeignet, liest man. Und nach dem Besuch der Ausstellung möchte man ergänzen: Für empfindliche Gemüter auch nicht. Miriam Cahn ist eine trotzige Frau, und das drückt sie mit ihren Werken aus. Augenschmaus ist ihre Sache nicht.



Dem Alter – sie wird dieses Jahr 70 – blickt sie trotzig ins Auge. 
Sie hasst das Altwerden genau so wie andere Menschen, sie verarbeitet es nur anders. Auf ihre eigene Weise: sie macht sich darüber lustig. Malt sich selbst als alte Frau. Nennt ihre Werke «abbau» und «altekriegerinich». Oder «altich». Diesem verpasst sie eine geballte Faust. Einem anderen malt sie mit dem Rotstift eine grimmig lachende Maske ins Gesicht. Es bleibt eine Maske. Die wahre Botschaft ist der schlaffe Körper.



Der Sex-Raum.
So nennt Miriam Cahn einen Saal in der Berner Ausstellung, der von deftigem Sex nur so strotzt. Frauen mit aufdringlich aufgemotzten Brüsten und Vulven, Männer mit prominent erigierten Penissen. Ein Bild mit einem geil aufgeladenen Paar heisst «schön», ist es aber nicht. 



Das auffälligste Werk in diesem Raum ist die dem berühmten Gemälde «Origine du monde» von Gustave Courbet nach empfundene Nackte. Die kam 1866 so naturalistisch daher, dass sie noch lange nach ihrer Erschaffung für Aufruhr sorgte.

Hinweis: Die Bilder aus dem Sex-Raum sind leider nicht Facebook- oder Blog-tauglich. Wer sie sehen möchte, findet sie hier:

https://www.artfritz.ch/kuenstler/cahn.html




Samstag, 18. Mai 2019

Märchenstunde und Kunst

Kunst bildet. Aber nur berühmte Werke berühmter Künstler anzuschauen, genügt allein nicht. Immer stellt sich auch die Frage nach den Hintergründen. Was genau haben die grossen Bildhauer MICHELANGELO oder ANTONIO CANOVA verarbeitet? Die Antworten kommen aus der griechischen Mythologie oder aus dem Alten Testament. 

Zwei schöne Märchen aus der griechischen Mythologie, die vom italienischen Bildhauer ANTONIO CANOVA (1757-1822) verewigt wurden: AMOR UND PSYCHE. Wie die Königstochter am Ende ihrer Liebesaffäre mit Amor zur Unsterblichen wurde.
Mehr: http://www.artfritz.ch/webfotos/PDF/amor_und_psyche.pdf

 
Antonio Canova (1757-1822). Eros küsst Psyche, 1793. Musée du Louvre, Paris.

Oder die Geschichte von HERKULES UND LICHAS. 
Warum schleuderte er seinen Diener ins Euböische Meer?
http://www.artfritz.ch/webfotos/PDF/herkules_und_%20lichas.pdf


Antonio Canova (1757-1822). Herkules und Lichas, 1895-1815. Galleria d'Arte Moderna, Roma.


Die Geschichte von DAVID UND GOLIATH kennt jedes Kind. Und MICHELANGELOS DAVID ist vielleicht die berühmteste Skulptur der Welt. Aber wer weiss, dass unser Held David nach dem Sieg über Goliath eine grosse militärische Karriere machte und es bis zum König von Israel geschafft hat? Und dass er auch seine dunklen Seiten hatte? Tatsächlich schreckte er vor Mord nicht zurück, um an die schöne Bathseba ranzukommen...
http://www.artfritz.ch/webfotos/PDF/david_als_koenig.pdf


Michelangelo (1475-1564). David, 1501-1504. Galleria dell'Academia, Firenze.

Viel Lesespass! http://www.artfritz.ch

Sonntag, 28. April 2019

Picasso: Blaue Periode oder Kubismus?

In Basel laufen zurzeit zwei Ausstellungen, die man schlicht und einfach nicht verpassen darf. 

Die eine zeigt PICASSOS BLAUE UND ROSA PERIODE (Fondation Beyeler, Riehen-Basel, bis 26.5.19); die andere die Geschichte des KUBISMUS (Kunstmuseum Basel, bis 4.8.19). Hoch spannend, beide. Beyeler präsentiert Werke, die man vermutlich erst in Jahrzehnten wieder in der Schweiz im Original zu sehen bekommen wird. 

Und im Kunstmuseum Basel erhält man einen brillanten Überblick über die Entwicklung des KUBISMUS: Mit grossartigen Werken nicht nur von Picasso und Braque, sondern auch weniger geläufiger Künstler wie Metzinger, Fauconnier, Gleizes und Léger – die alle den Kubismus mit geprägt haben. Wie gesagt: Auf keinen Fall verpassen!

Hier die Zusammenfassungen:

http://www.artfritz.ch/AUSSTELLUNGEN/riehen_beyeler_picasso2019.html


Pablo Picasso (1881-1973). La Vie, 1903. 
The Cleveland Museum of Art.



Pablo Picasso (1881-1973). 
Nu sur fond rouge (Jeune femme nue à la chevelure), 1906. 
Musée de l'Orangerie, Paris. Sammlung Guillaume.



http://www.artfritz.ch/AUSSTELLUNGEN/basel_kunstmuseum_kubismus_2019.html


Henri le Fauconnier (1881-1946). L'Abondance, 1910-11. 
Gemeentemuseum, Den Haag. 


Albert Gleizes (1881-1953). Les Joueurs de football, 1912-13. 
National Gallery of Art, Washington. 

Sonntag, 7. April 2019

Interessantes aus Rom

Michelangelos Pietà und Raffaels Stanzen kennt jeder, die Sixtinische Kapelle auch. Aber es gibt noch mehr. Viel mehr. Hier der Link zu den besten Museen Roms:

http://www.artfritz.ch/museen_rom_ueberblick.html


Melozzo da Forlì (1438-1494). Angeli musicanti. Pinacoteca Vaticana.

Rom ist nicht nur Kunst, sondern auch Geschichte. Da finden sich Nischen-Museen, die Spannendes ans Licht bringen. Hier drei Tipps:

Wer weiss, dass Napoleon einen Sohn hatte? Und dass dieser «König von Rom» wurde? 


Marie-Louise von Österreich, die Mutter von François-Joseph-Charles Bonaparte,
König von Rom. Von François Gérard (1770-1837), 1813. Versailles Palast.

Mehr:
http://www.artfritz.ch/MUSEEN/rom_museo_napoleonico.html


Wie hat Goethe Rom erlebt, als er 1786-88 auf seiner berühmten 
Italienischen Reise hier war? 


Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829). 
Goethe in der Campagna, 1787. Städel Museum Frankfurt.

Mehr: http://www.artfritz.ch/MUSEEN/rom_casa-di-goethe.html


Spannend ist auch die Geschichte einiger Päpste, deren alte Gemächer öffentlich zugänglich sind. Zum Beispiel jene des berühmt-berüchtigten Alexander VI aus der Familie der Borgia. Seine Tochter hiess Lucrezia. Und vom Keuschheitsgelübde hielt er gar nichts. In seinen geschichtsträchtigen Gemächern gibt es auch Kunst. Alte und neue. Mehr:

http://www.artfritz.ch/MUSEEN/rom_borgia_gemaecher.html

Mittwoch, 13. März 2019

Rom – die Weltmetropole der Kunst

Zurück aus Rom! In den nächsten Wochen heisst es, all das heimgebrachte Material zu verarbeiten. Einige Palazzi und Gallerien sind aufbereitet und stehen im Netz zur Verfügung, hier der Überblick: http://www.artfritz.ch/museen_rom_ueberblick.html


Palazzo Doria Pamphilj, Spiegelgalerie.


Beim Stichwort Rom denkt man zuerst an Michelangelo oder Raffael. Aber da gibt es noch ein Genie. Ein Bildhauer-Genie: GIANLORENZO BERNINI (1598-1680). Die allerschönsten Marmorskulpturen stammen von ihm. Mehr:
http://www.artfritz.ch/kuenstler/bernini.html 


Gianlorenzo Bernini (1598-1680). Raub der Proserpina. 

Zwei verdienen es, besonders hervorgehoben zu werden: 
«DER RAUB DER PROSERPINA» aus dem Jahr 1621. Zu sehen in der Galleria Borghese. In dieser Skulptur bringt Bernini den Marmor förmlich zum Leben: Man betrachte die Hand des Pluto, wie sie sich ins Fleisch der Proserpina gräbt. Echter geht nicht! Unfassbar lebensnah. Wie kann man bloss so etwas in den Marmor meisseln!


Gianlorenzo Bernini (1598-1680). Raub der Proserpina.



«DIE VERZÜCKUNG DER HEILIGEN TERESA», 1646. 
Die 3.50 m hohe Skulptur aus weissem Carraramarmor zeigt die heilige Teresa im Augenblick ihrer Vision, bei der ein Engel seinen Pfeil auf sie richtet, «um damit ihr Herz mit der göttlichen Liebe zu treffen». Dabei macht sie ein so verzücktes Gesicht, dass man bis heute darüber diskutiert, ob da nicht «mehr als die göttliche Liebe» dahinter steckt. Im 17. Jahrhundert fanden viele, eine Skulptur mit einer solch erotischen Ausstrahlung gehöre nicht in eine Kirche. Dort ist sie aber bis heute zu sehen. In der «Santa Maria della Vittoria» in Rom. 


Gianlorenzo Bernini (1598-1680). Verzückung der hl. Teresa.


Gianlorenzo Bernini (1598-1680). Verzückung der hl. Teresa, Detail.

Mittwoch, 20. Februar 2019

Ab in die Kunsttempel Roms!

In den nächsten Wochen heisst das Thema: Roms Museen, Kirchen und Künstler... 
Den Anfang machen wir mit einer Künstlerlegende, die ein kurzes, aber höchst abenteuerliches Leben geführt hat: CARAVAGGIO. Er hat die italienische Malerei auf den Kopf gestellt. Seine neue Maltechnik, das «chiaro-scuro» (hell/dunkel) mit extremen Lichtern und harten Schatten hat um 1600 herum die Kunstwelt beeindruckt. Noch Generationen von Malern wurden von ihr beeinflusst. Er wirkte nicht nur in Rom (von wo er fliehen musste, nachdem er im Streit einen Mann mit seinem Schwert getötet hatte), sondern auch in Malta, Sizilien und Neapel. Berühmt wurde er auch für seine Schwäche für Knaben und Jünglinge. 

Mehr über Caravaggio
http://www.artfritz.ch/kuenstler/caravaggio.html



Caravaggio (1571-1610). Judith enthauptet Holofernes, 
1598-99. Galleria Nazionale d'Arte Antica, Rom.



Caravaggio (1571-1610). Johannes der Täufer 
mit Widder. Musei Capitolini, Rom.


Caravaggio (1571-1610). Bacchus, 1596. 
Galleria degli Uffizi, Firenze.




Sonntag, 3. Februar 2019

«Art brut» – was ist das?

Eine umfassende Antwort darauf gibt die zur Zeit im Kunsthaus Aarau laufende Ausstellung «Collection de l'Art Brut – Kunst im Verborgenen». Bis 28.4.2019.


Adolf Wölfli (1864-1930). Schähren=Hall und 
Schährer=Skt.Adolf=Ring, 1926. Aargauer Kunsthaus Aarau.


Der Ausdruck «Art brut» stammt vom französischen Künstler Jean Dubuffet (1901-1985) und steht für «rohe Kunst». Für Kunst, die Menschen mit psychischen Defiziten erschaffen. Dubuffet war der Erste, der den künstlerischen Status von Werken anerkannte, die in Heimen und Psychiatrien entstehen. Dubuffet will die «Art brut» so verstanden wissen, dass sie nicht nur Anwendung auf Werke von Geistesgestörten findet, sondern generell für Kunst «jenseits der etablierten Norm» – geschaffen von Ungebildeten, von Laien, von Autodidakten, von Eingesperrten. Im englischsprachigen Raum wird die «Art brut» als «Outsider Art» bezeichnet.

Mehr: http://www.artfritz.ch/AUSSTELLUNGEN/aarau_art-brut_2019.html


Alois Wey (1894-1985). Ohne Titel, 1977-78. 
Collection de l'Art Brut, Lausanne.


1947 gründete Jean Dubuffet in Paris die «Compagnie de l'Art Brut». Gleichzeitig sammelte er diese Form von alternativer Kunst. Fündig wurde er in Krankenhäusern, psychiatrischen Kliniken und Gefängnissen. 1949 stellte er in einer Pariser Galerie 200 Werke aus seiner Sammlung vor. 



Aloise Corbaz (1886-1964). Napoléon portant 
une reine au corps cerné de perles, 1946-47. 
Collection de l'Art Brut, Lausanne.


1975 – die Sammlung war mittlerweile auf 15'000 Objekte angewachsen – schenkte Jean Dubuffet seine Kollektion der Stadt Lausanne. Dort ist sie seit 1976 zu sehen: im Museum Collection de l’Art Brut. Die Ausstellung im Kunsthaus Aarau zeigt rund 200 Werke von Schweizer Künstlern. 

Sonntag, 20. Januar 2019

Oskar Kokoschka in Zürich

Ausstellung im Kunsthaus Zürich 
vom 14.12.2018 bis 10.3.2019.

«Du warst bei Kokoschka? Und? Haben dir seine Bilder gefallen?». Nein, Kokoschka malt keine Bilder, die «gefallen». Nicht im Sinne von «eine Freude fürs Auge». Aber der Künstler fasziniert. Natürlich kann er malen, das beweisen seine Frühwerke. Aber dann fand er zum Expressionismus – und ist seinem Stil über die Jahrzehnte hinweg treu geblieben. Bei ihm kommt alles verzerrt daher. Ob er bildhübsche Schauspielerinnen abbildet oder Kriegsmonster wie Hitler oder Mussolini. Sogar mythologische Gestalten, die sonst den griechischen Schönheitsidealen zu entsprechen haben – auch die zeigt er verzerrt. Und nicht einmal bei seinen Selbstporträts macht er davor halt.


Ein Frühwerk. 1907-Oskar Kokoschka (1886-1980). 
Mädchen, Hände vor der Brust, 1907-08. Privatsammlung Österreich.


1918-Oskar Kokoschka (1886-1980). 
Selbstbildnis, eine Hand ans Gesicht gelegt, 1918-19. 
Leopold-Museum, Wien.


Das Spannende an dieser Ausstellung ist, dass man – je mehr Bilder man sieht – zu seinem Stil Zugang findet. Dass man seine Verzerrungen gar nicht mehr so irritierend findet. Kokoschka hat mal gesagt, dass er nicht das Äussere abbilden wolle, sondern den Zustand der Seele. Da könnte was dran sein.

Weiterlesen: http://www.artfritz.ch/AUSSTELLUNGEN/zuerich_kokoschka_2019.html


1917-Oskar Kokoschka (1886-1980). 
Liebespaar mit Katze, 1917. Kunsthaus Zürich.



1940-Oskar Kokoschka (1886-1980). 
Das rote Ei, 1940-41. National Galerie Prag.


In London traf Kokoschka backstage die Tänzerin Adèle Astaire. Er fragte sie, ob sie sich für ein Porträt zur Verfügung stellen wolle, und sie willigte ein. Der Künstler und sein Modell harmonierten aber schlecht. Und Adèle war vom künstlerischen Ergebnis wenig angetan. Man mag sie verstehen.













1926-Oskar Kokoschka (1886-1980). 
Adèle Astaire, 1926. Kunsthaus Zürich.

Als das Bild in der Zeitschrift TIME veröffentlicht wurde, schrieb Ihr Bruder, Superstar Fred Astaire, an den Redaktor: «Sir, with your permission, I’d like to give my opinion of the Kokoschka picture of my sister. I think it’s a hideous mess. As great an artist as this man may be today, he certainly goofed in 1926. My sister is a very pretty girl». Hideous steht für abscheulich, widerlich.

Samstag, 5. Januar 2019

Hodler und der Parallelismus – ein Weltgesetz?

Ausstellung im Kunstmuseum Bern. Sie läuft noch bis 13. Januar 2019.

Es ist keine leichte Kost, die dem Besucher dieser Ausstellung vorgesetzt wird. Ohne ausführliches Studium des Ausstellungsführers ist man ziemlich ratlos. Der Schleier lichtet sich, wenn man sich näher mit dem Thema «Parallelismus» befasst. Für den Künstler muss dieser eine grosse Bedeutung gehabt haben. So gross, dass Hodler öffentliche Vorträge darüber hielt.

Gibt es diesen Parallelismus überhaupt? Hodler war davon überzeugt. 
Mehr noch. Er hielt ihn für seine eigene Entdeckung:

«Mit der Richtigkeit oder Unrichtigkeit meines Parallelismus steht oder fällt mein Werk. Entweder ist der Parallelismus, wie ich ihn erkannt, umschrieben und angewandt habe, ein Weltgesetz von allgemeiner Gültigkeit – dann ist mein Werk von universeller Bedeutung. Oder aber ich habe mich geirrt, und in diesem Falle ist mein Schaffen lauter Selbsttäuschung und Trug».

Weiterlesen:
http://www.artfritz.ch/AUSSTELLUNGEN/bern_hodler_parallelismus_2018-19.html



Ferdinand Hodler (1853-1918). Thunersee mit 
Spiegelung, 1905. 
Musées d'art et d'histoire, Genève.



Ferdinand Hodler (1853-1918). Die Empfindung, 1909-11. 
Privatsammlung Schweiz. Kunstmuseum Bern.



Ferdinand Hodler (1853-1918). Die Nacht, 1889-1900. 
Ausschnitt. Kunstmuseum Bern.


Ferdinand Hodler (1853-1918). 
Bildnis Valentine Godé-Darel (La Parisienne II), 1909. 
Kunstmuseum Bern.